Familienzeit in Deutschland
Nun ist es geschafft. Der 1. Juli ist mein erster offizieller Tag in meiner Elternzeit. Für alle die es noch nicht wissen: Ich bin von 1. Juli 2008 bis 31. Dezember 2008 in Eltern(teil)zeit. Teilzeit deswegen, da ich weiterhin noch 10h pro Woche bei meinem Arbeitgeber angestellt bleibe. Viele Kollegen haben mich gefragt ob mir nicht langweilig wird und was ich denn so mache… All das werde ich hier erzählen. Noch schwebt mir so viel im Kopf rum.
Zum Beispiel die Sache mit dem Elterngeldantrag. Zuerst schien alles gaaanz einfach. Meine Firma war schon darauf eingestellt und ich bekam auch schon gleich die ersten Bestätigungen zu meinen Einkünften. 12 Monate rückwirkend den Netto Verdienst. Ohne Zuschläge, nach Steuern und Sozialabgaben. Damit wird dann das Elterngeld berechnet. Sicher ein kompliziertes Verfahren. Sonst würden die Formulare nicht so kompliziert ausfallen. Dann geht´s aber weiter. Meldezettel, Geburtsbescheinigung, Bescheinigung über den Bezug von Entgeltersatzleistungen (Mutterschaftsgeld), Sorgerecht, Aufenthaltsgenehmigung, Arbeitsvertrag während der Elternzeit, Verdienstbescheinigung zum Antrag auf Elterngeld §9BEEG für die letzten 12 Monate und für die nächsten 6 Monate. Tja bis auf den letzten Punkt war ich gewappnet. Verdienstbescheiningung der nächsten 6 Monate. Dann ging der Tanz der Zauberfee los. Zu meiner regulären Arbeitszeit war ich privat versichert. Beim ersten Bescheid meiner Firma für die nächsten 6 Monate ist den Kollegen noch nichts aufgefallen. Doch plötzlich bekam ich einen Anruf. “Ich kann Sie nicht mehr als Privat- Versicherungspflichtig einstugen, da Sie ja den Mindestsatz nun deutlich unterschreiten” kam da aus dem Telefon. Stimmt. Klar.
Nach 2 Telefonaten mit meiner Privten Krankenversicherung (PKV) war klar: Wir versichern Sie (und Wendelin) weiter, aber den Arbeitgeberanteil (aktuell 50%) bei mir müssen Sie selbst aufbringen. Was soll ich sagen. Ich habe nachgerechnet und siehe da, kanpp die hälfte meines Gehalts während der Elternzeit würde für die Versicherung draufgehen. Der freundliche Telefonist der PKV hat noch gemeint, dass sie einen Schrieb über einen Pflicherversicherungsverzicht der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für die Elternzeit braucht aber dann würde meine Versicherung normal weiter laufen. Gut. Dann habe ich mit meiner letzten GKV telefoniert. Dort war nun die Auskunft so: Sie bekommen einen GKV Pflichtversicherungsverzicht, klar, aber der gilt dann unbegrenzt. Unbegrenzt? Die wollen mich rausschmeissen aus dem Sozialsystem? Was wenn ich einmal Arbeitslos werde? Unbegrenzt? Nein das ist zuviel Risiko. Mit dieser Information erst noch einmal zu meinem Personaldienst. Dieser hat mich dann auch gleich auf einen Formfehler der GKV hingewiesen. Lt. §2BEEG ist es möglich sich vom Eintreten der Krankenversicherungspflicht wegen der Elternzeit für die Dauer der Elternzeit befreien zu lassen. Im Laufe des Telefonats stellt sich aber heraus, dass die Befreiung während der Elternzeit nur gilt, wenn ich nur Elterngeld beziehe, aber keiner Arbeit nachgehe. Ja, ich gehe einer Arbeit nach und ich bin deshalb auch Versicherungspflichtig.
Also fasse ich zusammen. 3 Stationen. Personaldienst, PKV und GKV. Überall Hotlines und Warteschleifen, hilfesuchende Mitarbeiter und weitervermittelde “nicht-zuständige”. Wer ist da für mein bestes? Die PKV will mich behalten, also werden die mir wohl keine Vorschläge zum Geldsparen machen. Die GKV will mich nicht haben, da ich nur für die 6 Monate GKV bleiben will und danach ja wieder voll Arbeiten werde. Mein Personaldienst also. Hin und her. Danke an dieser Stelle für die freundlichen Mitarbeiter die mir dann doch weitergeholfen haben.
Aber helfen tut mir das nix. Ich muß den vollen Betrag der PKV bezahlen, während ich bei einer GKV mit Wendelin mit viel geringeren Kosten (ja und auch Leistungen) versichert wäre. Aber um die Leistungen geht es hier erstmal nicht. Also ging es dann ans Sparen. Mit meinem Versicherungsvertreter habe ich nachgerechnet, wie ich eine Beitagsminderung hinbekomme. Ja es ginge schon, aber er weiß nicht ob ich nach der Elternzeit wieder in meinen “rundumsorglos” Tarif komme. Ein kurzes Telefonat mit einem für uns zuständigen Geschäftsführer bei der PKV stellt das klar. Natürlich kann ich meinen Tarif für eine Zeit verschlechtern. Ob ich dann aber wieder den gleichen Schutz bekomme, hängt von meiner persönlichen Krankenhistorie ab und wie mein (hier ist mein Vertrag gemeint, bei dem Wendelin auch dabei ist) “Kosten/ Nutzen” Verhältnis ist. Wenn das passt, bekomme ich den gleichen Schutz, wenn nicht, dann müssen wir über eine Beitragsanpassung reden. Eine einfache Mail mit meinen Daten reicht ihm aus, und er würde sich meinen all persönlich anschauen. Tja, wenn ich dann zurückrechne.. Kosten/Nutzen Verhältnis…. Erstes Minus. Nun wird mit meiner Gesundheit gerechnet. Naja es ist halt eine Versicherung. Und die habe ich wahrlich in Anspruch genommen. Also fällt der Teil des Sparens weg.
Ah, nicht vergessen, ich will immer noch den Elterngeld Antrag abgeben!
Mit meinen Informationen der PKV nun noch einmal den Personaldienst und die GKV angerufen. Im vorangegangengen Gespräch fiel auch schon einmal der Terminus “Anwartschaft“. Nachdem was ich nun weiß nenne ich es nur noch Schutzgeld. Egal. Um die Sache aufzulösen nun das Ergebnis. Im Telefonat mit meiner letzten GKV (es ist nun schon 7 Jahre her) haben die mich gefunden und wollten mich dann auch gleich wieder als Mitglied haben. Bestimmt habe ich die Dame am Telefon aber dann noch hingewiesen, dass ich aber nach 6 Monaten wieder austreten werden um zur PKV zu wechseln. Nach langem Nachdenken meinte Sie, dass das nicht gehen wird, da ich nach einer GKV Versicherungszeit 3 Jahre Wartefrist habe um wieder in die PKV zu wechseln.
Nun wußte ich nicht mehr bescheid was ich machen soll. Beratung in solchen Fällen? Fehlanzeige.
Aber es geht noch weiter. Die Dame der GKV hat mich dann in die Mitgliederabteilung weitervermittelt wo mir dann folgendes mitgeteilt wurde:” Im §2BEEG ist verankert, dass es möglich ist in der Elternzeit in einer GKV versichert zu sein und danach ohne Gesundheitsprüfung oder Wartezeit in die PKV zu wechseln (Anwartschaft vorausgesetzt) . Das war dann die Antwort auf alle meine Fragen.
Also zahle ich nun Schutzgeld ( =Anwartschaft für die PKV und auch schon ein beträchliches Sümmchen >100€) und bekomme dafür keine Leistungen und bin mit Wendelin nun GKVersichert. Wenn ich richtig gerechnet habe spare ich mir damit die Hälfte. Ob es wirklich wahr ist, verrate ich nach meinem ersten Monat.
Ich hätte der Dame der Elterngeldstelle wirklich glauben schenken sollen, als sie meinte, ich soll mir das mit dem nebenher Arbeiten noch einmal überlegen. Es würde sich nicht lohnen. Nun weiß ich es.
Iste igentlich ein Wahnsinn, danke für diesen Bericht, sollte uns allen zu denken geben ob alles richtig läuft